Eine völlig subjektive kleine Literaturliste (nicht nur zum Thema "Achtsamkeit") und ein paar Gedanken in eigener Sache zum Thema:

  • Jon Kabat-Zinn: Gesund durch Meditation, Knaur Taschenbuch. Der MBSR-Klassiker
  • Jack Kornfield: Meditation für Anfänger (inkl. CD), Goldmann-Arkana. Eine komprimierte Einführung in die Achtsamkeitsmeditation von einem der weltweit bekanntesten Meditationslehrer.
  • Thich Nhat Hanh: Das Wunder der Achtsamkeit, Theseus Verlag. Wie bei allen Büchern Thich Nhat Hanhs ist allein das Lesen dieses Buches schon eine Achtsamkeitsübung.
  • Fabrice Midal: Die innere Ruhe kann mich mal. Meditation radikal anders, dtv. Ein launischer und gelassener Blick auf die Übung der Meditation - für Perfektionist*innen sehr entlastend!
  • Michaele Kundermann: Emotionale Stresskompetenz, Goldegg Verlag. Sehr gutes Buch mit vielen Beispielen, Fakten und Übungen zum Stresserleben.
  • Gerd Kaluza: Gelassen und sicher im Stress: Das Stresskompetenz-Buch: Stress erkennen, verstehen und bewältigen, Springer Verlag. Ein Klassiker unter den Selbsthilfebüchern über Stress: Detailliert, fundiert informativ.
  • Tom Hodgkinson: Anleitung zum Müßiggang, Insel Taschenbuch. Herrlich! - Wie unnötig der heutige Stress und die tägliche Hetze sind, zeigt dieser kenntnisreiche und witzige Einblick in die Geschichte des Müßiggangs. Kann und sollte durchaus als Gesellschaftskritik verstanden werden!
  • Steve Hagen: Meditation beginnt jetzt genau hier! - Sehen, was wirklich ist, Windpferd Verlag. Sehr hilfreiche, klare und detaillierte Einführung in die Meditation. Hagen bringt ohne Schnörkel die Essenz der Meditation auf den Punkt. Wenn man über das etwas schräge Buchcover der deutschen Ausgabe hinwegsieht, sicherlich eines der besseren Meditationsbücher. Leider vergriffen und nur noch mit Glück antiquarisch erhältlich. Lohnenswert!
  • Toni Packer: Das Wunder des Jetzt - Die Kunst meditativen Fragens, Theseus Verlag (auch die anderen Bücher von Toni Packer sind sehr empfehlensewert, aber z.T. nur noch antiquarisch erhältlich).
  • Charlotte Joko Beck: Zen im Alltag, Knaur MensSana
  • Pema Chödrön: Wenn alles zusammenbricht - Hilfestellung für schwierige Zeiten, Goldmann Arkana. Wer tiefer in die Grundlagen der Meditation eintauchen möchte, ist mit diesen tiefgründigen Büchern dieser tiefgründigen Frauen gut bedient!
  • Tony Parsons: Diese Freiheit - Worte weisen auf das Wortlose; Kamphausen Verlag (auch alle anderen Bücher von T. Parsons sind lesenswert), und das wundervolle Buch:
  • Zum Traum erwachen von Leo Hartong Tja, und wer es dann nicht lassen kann und auch noch zu diesen Büchern greift, wird spätestens damit auch die Achtsamkeitspraxis selbst infrage stellen - oder sich mit neuer, freudiger Leichtigkeit (wieder) dafür entscheiden - ohne die Erwartung, dass diese Übung mir vor allem Wohlgefühl verschaffe; ohne die Überzeugung, dass es irgendetwas in meinem Leben gibt, das zu perfektionieren wäre (also ohne all das, worauf die weit verbreitete "Wellness- und Optimierungs-Achtsamkeit" im 21. Jahrhundert abzielt). Und wer weiß - vielleicht ist genau die paradoxe Einsicht, dass es nichts zu verändern gibt, die wahre Veränderung, die zu mehr Offenheit im eigenen Denken und Handeln führt....
  • Ronald E. Purser: McMindfulness: How Mindfulness Became the New Capitalist Spirituality, Repeater (auch als deutsche Ausgabe unter dem Titel: Wie Achtsamkeit die neue Spiritualität des Kapitalismus wurde). Nicht unerwähnt bleiben soll die berechtigte Kritik am Achtsamkeits-Hype. Purser liefert diese in sehr deutlichen Worten. Rüttelt beim Lesen auf und kann den eigenen Blick auf die Achtsamkeitspraxis irritieren und korrigieren, auch wenn manches (wohlkalkuliert?) ein wenig überspitzt formuliert ist.          
  •  Thomas Metzinger: Bewusstseinskultur: Spiritualität, intellektuelle Redlichkeit und die planetare Krise, Berlin Verlag                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Für Achtsamkeits-Interessierte, die etwas tiefer in die Materie eintauchen möchten, bleibt kritisch festzuhalten:                                                                                                                                                    Achtsamkeit, so wie sie im MBSR-Kontext verstanden wird, ist eine Technik (unter vielen), die im Alltag und im therapeutischen Umfeld sehr hilfreich sein kann, aber sie ist in diesen säkularen Bereichen auch nicht mehr: Sie kann den ungeheuren Projektionen, die derzeit medial auf sie gerichtet sind, gar nicht gerecht werden, und seriöse MBSR-Anbieter*innen sollten diese Tatsache im Vorgespräch und in den Kursen thematisieren. Leider werden diese Erwartungen auch von vielen MBSR-ler*innen - sogar jenen der ersten Stunde - geschürt: Stichwort "Mindful Revolution"...                                                                                                             Schon in der Bezeichnung "MBSR" - also Stressbewältigung durch Achtsamkeit - wird ja das Anwendungs-gebiet dieser "Technik" Achtsamkeit deutlich: Sie wird als Coping(Bewältigungs-)strategie, genutzt, die dabei helfen kann, den stressigen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts besser standzuhalten. Und als solche birgt diese Stress-Bewältigungstechnik Achtsamkeit die Gefahr der unkritischen Anpassung an ein krank machendes Umfeld, indem sie dazu missbraucht werden kann, krank machende gesellschaftliche und globale Stressauslöser zu bagatellisieren. Eine Revolution braucht daher etwas mehr als eine Achtsamkeitspraxis in einem Alltag, der Gefahr läuft, sich in den hiesigen Umständen irgendwie einzurichten, um "über die Runden zu kommen". Sie braucht Raum für beherztes (politisches) Handeln, für das eine achtsame Haltung natürlich ungemein hilfreich sein kann (T.N. Hanh war ein positives Beispiel dafür). Konkret gesagt: Obwohl es ja nicht grundsätzlich schlecht ist, wenn ein alleinerziehender, voll berufstätiger Elternteil eine Technik an die Hand bekommt, um den Anforderungen des  Alltags standzuhalten, darf Achtsamkeit nicht dazu verleiten, dass Teile der Gesellschaft sich mithilfe dieser Methode gesellschaftlichen Missständen fügen (siehe z.B. das mittlerweile überbordende und manchmal unverschämt anmutende Achtsamkeits-Angebot für Menschen in sozialen Berufen, um den Herausforderungen ihrer schlecht bezahlten Jobs gerecht werden).               Vergessen wir also nicht, dass wir in einer freien Marktwirtschaft leben, die alles kommerzialisiert - auch das menschliche Leiden -, um daraus Kapital zu schlagen. Es besteht daher die Gefahr, dass Achtsamkeit auf mehr oder weniger subtile Weise zum Bestandteil dieser Maschinerie wird. Zu komplex sind zudem die globalen Verflechtungen, als dass Achtsamkeit mehr sein könnte, als ein kleiner Baustein eines - wie auch immer gearteten - gesellschafltichen Wandels.  Und berücksichtigen wir auch, dass das, was als "achtsame Revolution" bezeichnet wird, i.d.R. die Menschen überhaupt nicht erreicht, die ihrer vielleicht am meisten bedürften und die - hätten sie überhaupt Berührungspunkte mit Achtsamkeit - wohl weder das Geld noch die Möglichkeit haben, jemals einen MBSR-Kurs zu besuchen (nicht genug kann daher den Menschen gedankt werden, die sich auf achtsame Weise sozial engagieren, indem sie z.B. in Gefängnisse gehen oder Flüchtende unterstützen, und den Menschen mit Achtung und Mitgefühl begegnen).                                           Noch einmal: Achtsamkeit hat im MBSR- und Therapie-Kontext als Bewältigungsstrategie großes Potential, wenn gleichzeitig auf ihre Grenzen hingewiesen wird. Und gerade deshalb brauchen wir im säkularen Umgang langfristig vielleicht einen anderen - der westlichen Kultur eher entsprechenden - Begriff als diesen ursprünglich buddhistischen Terminus "Achtsamkeit". Zur eher dürftigen Übersetzung des Pali-Wortes sati (siehe hier) kommt nämlich nämlich, dass Achtsamkeit ja nur einen - wenn auch wichtigen - Teilaspekt buddhistischer Lehre bezeichnet, der neben seiner Herauslösung aus dem Kontext durch seine Anwendung als Copingstrategie auch noch einseitig interpretiert (umgedeutet?) wird (vereinfacht gesagt als  "absichtsvolle und wertungsfreie Wahrnehmung des gegenwärtigen  Moments").                                                                 Eine kritische Hinterfragung von Achtsamkeit in ihrer westlichen Anwendung könnte demnach verbunden sein mit einem grundlegenden Diskurs über einen ehrlichen und kontextangemessenen Jargon im Zusammenhang mit dieser mittlerweile verwestlichten und etablierten Praxis, in klarer Abgrenzung zum buddhistischen Vorbild. Wir Achtsamkeits-Lehrenden müssen uns m.M. nach sonst den Vorwurf der kulturellen Aneigung und Verfälschung einer östlich-spirituellen Praxis mitsamt ihrer Philosophie und Rhetorik (und z.T. auch deren Missbrauch für westliche und sehr weltliche Ziele) gefallen lassen.                                                                 Am nächsten kommt dem zurzeit wohl das Konzept eines "spirituellen Realismus", der sich nicht von Erwartungen und Selbsttäuschungen leiten lässt (wie sie der Begriff "Mindful Revolution" m.E. schürt), sondern auf radikale Ehrlichkeit sich selbst und der Welt gegenüber setzt. Thomas Metzinger beschreibt diese Form einer möglichen zeitgenössichen säkularen und evidenzbasierten Spiritualität als Teil einer neuen "Bewusstseinskultur" in seinen Büchern (s.o.). Denn nicht zuletzt kann Achtsamkeit, wie sie im MBSR gelehrt wird, als ein emanzipatorisches Instrument (unter vielen) in unseren Breiten wirken, und zwar immer dann, wenn wir beobachtend wahrnehmen, was und wie wir denken und fühlen und welchen Einfluss das auf uns und unsere Umgebung hat. Das kann gängige und schädliche (politische, berufliche, private, psychologische) Narrative entlarven und vielleicht sogar zu mehr Verständnis und Mitgefühl führen. Aber auch hier gilt: die Menschen, die die Möglichkeit haben, sich über eine neue "Bewusstseinskultur" Gedanken zu machen, sollten sich immer wieder daran erinnern, dass sie zu einer kleinen Minderheit von Priviligierten gehören, denen der Zugang zu solchen "Achtsamkeits-Ressourcen" nicht verwehrt ist.                                         Zusammenfassend kann gesagt werden: in der (weißen Mittelklasse-) Überheblichkeit, mit der "Mindfulness" gerade als wissenschafltich-spirituelle Wunderwaffe propagiert wird, liegt auch die Gefahr, ein neues Narrativ zu erschaffen, das eher auf Exklusivität und Außenwirkung baut und nicht-erfüllbare Erwartungen schürt, zu ungunsten von Bescheidenheit, grundlegender Ehrlichkeit und Mitgefühl mit allen Wesen - also genau der Werte, die Achtsamkeit eigentlich stärken möchte und die wir gerade so dringend brauchen...                           

Das oben Genannte soll dich, liebe/r Interessent*in an einem MBSR-Kurs, ermutigen, während der Teilnahme an einem Kurs die Hoffnungen und Wünsche, die Bestärkungen sowie die Enttäuschungen und die Skepsis, die in einem jeden Kurs auftauchen, im Blick zu haben und ggf. im Kurs zu formulieren. Nur so kannst du herausfinden, welcher Teil des Stresserlebens schlicht zu deinem Leben gehört (z.B. die eigenen Kinder :-)), auf welchen du selbst durch eine "achtsame" Haltung Einfluss nehmen kannst und wo ggf. eine Veränderung in deinem persönlichen Umfeld nötig ist - mit anderen Worten: deine Vorstellungen im Hinblick auf das, was MBSR und Achtsamkeit "dir bringen kann" zu relativieren, korrigieren, ergänzen - genauso, wie ich es als MBSR-Lehrender ständig tue.                                    

Ich freue mich, von dir zu hören!

 

 

Links:

 

Apps/ Audios/Videos:

  • www. 7mind.de Die "Pionierin" unter den deutsche Achtsamkeits-Apps - umfangreich und sehr gut wissenschaftlich erprobt; die Präventionskurse der App werden von den meisten KK erstattet. Wenn auch, wie alle Apps, mittlerweile sehr (zu?) umfangreich. Am besten auf zwei bis drei Basis-Übungen beschränken...
  • www.balloonapp.de Ähnlich wie bei 7mind gibt es auch hier zahlreiche Angebote zu den unterschiedlichsten Themen und einen Erstattungs-Check für die KK. Also: s.o.
  • www.arbor-online-center.de Im Online-Center des wohl renommiertesten deutschen Achtsamkeits-Verlag gibt es zahlreiche Videos und Audios zum Thema. Auch das Stöbern im sonstigen Programm des Verlags lohnt sich.
  • Auf den Seiten der großen deutschen Krankenkassen finden sich mittlerweile oft gute Anleitungen und ausführliche Infos zum Thema Achtsamkeit. Einfach mal auf die Suche gehen!

 

Empfehlungen hier in der Nähe:

  • Ute Buschhaus Achtsamkeitsbasiertes Coaching und Therapie in Soest

 

Filmische und Rundfunkbeiträge rund ums Thema Achtsamkeit:

 

 

Eigene Texte:

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Mindful for future? oder: Langsam, leise und liebevoll im Angesicht bedrohlicher Zeiten
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